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Spagyrik

Manfred guckt linksEs war Professor Manfred Junius der Anfang der 80iger Jahre in Norddeutschland ein Seminar gab, dessen Inhalt die spagyrische Herstellung einer Rosmarintinktur war. Ich war damals so begeistert, dass ich beschloss, zuhause in der Küche selbst spagyrische Pflanzentinkturen herzustellen.

Ich arbeitete über viele Tage, ja Wochen, an meinem Vorhaben. Ich lernte rhythmisch die Tinkturen zu verschütteln, die festen Bestandteile zu Veraschen (unsere Gasrechnung stieg damals ins uferlose) und die gereinigten Bestandteile wieder zusammenzufügen. Noch heute kann ich mich an das Herzklopfen erinnern, als ich die weiße Pflanzenasche der Brennessel in die bräunliche Brennesseltinktur gab: Da schlug die Flüssigkeit zu einer leuchtend smaragdgrüne Farbe um. In diesem Augenblick begriff ich, dass diese Tinktur anders war, als alle mir damals bekannten Tinkturen. Von da an ließ mich der Gedanke und die Suche nach spagyrischen Heilmitteln nicht mehr los.

Was ist Spagyrik?

Der Begriff Spagyrik wird seit Paracelsus für die Herstellung von Heilmitteln mit alchemistischen Methoden verwendet. Der Begriff leitet sich aus den griechischen Worten „Spao“ für trennen und „Ageiro“ für verbinden oder verschmelzen ab.

In der Weltsicht des Paracelsus sind alle materiellen Dinge aus den vier Elementen und drei philosophischen Prinzipien aufgebaut. Die philosophischen Prinzipien Sal, Sulfur und Merkur sind an sich nicht stofflicher Art, sondern beschreiben Qualitäten und Eigenschaften von Substanzen. Bei Pflanzen wird auf diese Weise dem mineralischen Teil das Prinzip Sal, den ätherischen Ölen das Prinzip Sulphur und dem durch Gärung gewonnen Alkohol das Prinzip Merkur zugeordnet. Darüber hinaus lassen sich mit den philosophischen Prinzipien auch dynamische Vorgänge charakterisieren.

Trennen und verbinden bezieht sich auf diese philosophischen Prinzipien Sal, Sulphur und Merkur. Das fundamentale Anliegen in der Spagyrik ist der Aufschluss der Ausgangssubstanz in einer Art und Weise, dass die definierten philosophischen Prinzipien daraus gewonnen werden können. Es gibt zum Auszug von Sal, Sulfur und Merkur verschiedene Möglichkeiten, die zwei gebräuchlichsten davon stelle ich hier kurz vor.

Die  erste  ordnet die Prinzipien jeweils einem Trägerstoff zu und trennt diese Trägerstoffe materiell, um sie dann gereinigt wieder zusammenzusetzen. Eine Besonderheit dabei stellt das Prinzip Sulfur dar, das in einen flüchtigen und fixen Anteil getrennt und durch zwei verschiedene Trägerstoffe dargestellt wird.

Die zweite Möglichkeit ist, die Prinzipien gemeinsam mithilfe eines Lösungsmittels aus der Ausgangssubstanz zu gewinnen. Dabei werden die Trägerstoffe nicht explizit getrennt, sondern liegen gemeinsam im Lösungsmittel vor.

Das erste Verfahren ist ein linearer Prozess, der in der Literatur als philosophische Trennung beschrieben wird. An diesem Verfahren ist die Trennung in die Prinzipien am Einfachsten zu erklären, da die Träger der Prinzipien tatsächlich stofflich getrennt und gereinigt werden.

AvB 1957Das zweite Verfahren, das als Spagyrik nach von Bernus bezeichnet wird, ist ein dem Sinnbild des Ouroboros nachempfundener zirkulärer Prozess. Die Träger der Prinzipien werden hierbei nicht explizit getrennt, sondern rhythmisch aus der Ausgangssubstanz gelöst. (Eine ausführlichere Beschreibung der Verfahren findet sich in meinem Buch "Praxis Spagyrik nach Alexander von Bernus".)

Die technischen Verfahren, welche zur spagyrische Aufarbeitung von Heilpflanzen, Mineralen und Metallen eingesetzt werden, unterscheiden sich auf der rein materiellen Ebene nicht wesentlich von den modernen Verfahren der pharmazeutischen Arzneimittelherstellung. Ein wesentlicher Unterschied liegt in den Qualitätsanforderungen an Ausgangsmaterial und Verarbeitung, die jenseits von rein chemischen Faktoren liegen. Ein anderer liegt in der Logik der Verarbeitungsschritte, die in traditionellen philosophischen Überlegungen gründet.

Der erzielte Qualitätsunterschied lässt sich am einfachsten am Beispiel der Herstellung von Wein erklären: Rein chemisch sind Weine aus industrieller Massenproduktion nur schwer von Spitzenprodukten eines Kellermeisters zu unterscheiden. Im dem Augenblick, wo man den Wein kostet, muss man aber kein Kenner sein, um den Unterschied festzustellen.

In meiner Praxis setze ich die Spagyrika nach Alexander von Bernus ein. Er gründete 1920 das Laboratorium Soluna.